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E-Commerce-Auftragsabwicklung meistern: strategischer Mehrwert, Herausforderungen und Lösungen

Geschrieben von Nico Bouguerra | Aug 12, 2026, 3:13:30 PM

Online einzukaufen ist mittlerweile die bevorzugte Einkaufsmethode für Millionen Menschen weltweit. Allein im deutschsprachigen Raum haben schätzungsweise mehr als 82 Millionen Menschen in den letzten 12 Monaten online eingekauft. Rund ein Drittel davon tätigten mindestens 6 Onlinekäufe in den letzten 3 Monaten.[1]

Mit der Häufigkeit der Onlinebestellungen steigt der Anspruch der Kunden und Kundinnen. E-Commerce-Unternehmen stehen unter steigendem Druck, eine schnelle, präzise und effiziente Auftragsabwicklung zu gewährleisten.

In diesem Artikel gehen wir auf den strategischen Mehrwert der Auftragsabwicklung für Anbieter ein, beleuchten die Herausforderungen bei ihrer Integration in bestehende Abläufe und erläutern Prozess und Best Practices für eine effiziente Abwicklung.

Der strategische Mehrwert der E-Commerce-Auftragsabwicklung

Die E-Commerce-Auftragsabwicklung ist der Prozess der Lagerung, Kommissionierung, Verpackung und des Versands von Produkten an Kunden, nachdem diese online eine Bestellung aufgegeben haben. Wie Sie E-Commerce-Bestellungen abwickeln (auch bekannt als Ihr E-Commerce-Fulfillment-Prozess), ist aus mehreren Gründen entscheidend:

    • Kundenzufriedenheit: Eine pünktliche und fehlerfreie Auftragsabwicklung wirkt sich direkt auf die Kundenzufriedenheit aus. Wenn Kunden ihre Bestellungen schnell und zudem fehlerfrei erhalten, werden sie eher zu Stammkunden und empfehlen Ihr Unternehmen weiter.
    • Wettbewerbsvorteil: Eine effiziente Auftragsabwicklung kann Ihr Unternehmen von der Konkurrenz abheben. Schneller Versand und hohe Bestellgenauigkeit können für Online-Käufer wichtige Kaufargumente sein und Ihnen dabei helfen, Kunden zu gewinnen und zu binden.
    • Kostensenkung: ein optimierter Auftragsabwicklungsprozesses kann Unternehmen dabei helfen, Personal-, Lager- und Versandkosten zu senken. Die Rationalisierung der Abläufe und die Einführung kosteneffizienter Lösungen können die Gesamtrentabilität verbessern.

Mehr zum Thema: So berechnen (und senken!) Sie Ihre Fulfillment-Kosten pro Bestellung

Aktuelle Herausforderungen bei der Auftragsabwicklung im E-Commerce

Da das Online-Geschäft kontinuierlich weiter wächst, stehen Unternehmen vor mehreren Herausforderungen bei der Integration der E-Commerce-Auftragsabwicklung in ihre bestehenden Abwicklungsprozesse:

    • Steigende Bestellvolumina: Das rasante Wachstum des E-Commerce hat zu einem sprunghaften Anstieg der Bestellvolumina geführt, was Unternehmen unter Druck setzt, eine größere Anzahl von Bestellungen mit kleineren Einzelposten schnell und effizient zu bearbeiten und auszuführen.
    • Kundenerwartungen: Heutige Online-Käufer erwarten schnellen Versand, eine präzise Auftragsabwicklung und unkomplizierte Rücksendungen. Diese Erwartungen zu erfüllen, kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen oder veralteten Systemen.
    • Bestandsmanagement: Angesichts der hohen Dynamik im E-Commerce stellt die Aufrechterhaltung genauer Lagerbestände sowie die Vermeidung von Fehlbeständen oder Überbeständen eine erhebliche Herausforderung bei der Auftragsabwicklung im E-Commerce dar. Ein mangelhaftes Bestandsmanagement kann zu Umsatzverlusten, erhöhten Kosten und unzufriedenen Kunden führen. Im E-Commerce wird Bestandsgenauigkeit direkt sichtbar: Was im Onlineshop verfügbar angezeigt wird, muss im Lager tatsächlich vorhanden und schnell auffindbar sein.
    • Steigende SKU-Zahl und wachsende Sortimentsbreite: Viele Onlinehändler erweitern ihr Sortiment kontinuierlich. Dadurch steigt die Zahl der Artikelvarianten, während einzelne Artikel teilweise nur selten nachgefragt werden. Diese Kombination aus hoher Sortimentsbreite und geringer Zugriffshäufigkeit macht klassische, wachsende Regallager schnell unübersichtlich und ineffizient.
    • Platzdruck und begrenzte Lagerfläche: Viele E-Commerce-Unternehmen wachsen schneller, als ihre Lagerflächen mitwachsen können. Mehr Artikel, kleinere Bestellmengen und steigende Retourenvolumen erhöhen den Druck auf bestehende Regale, Kommissionierwege und Packplätze.
    • Lange Laufwege und manuelle Suchzeiten: In manuellen Lagerbereichen verbringen Mitarbeitende häufig einen erheblichen Teil ihrer Zeit mit Gehen, Suchen und Nachfüllen – also mit Tätigkeiten, die keinen direkten Mehrwert für den Auftrag schaffen. Je höher das Bestellvolumen und je breiter das Sortiment, desto stärker wirken sich diese unproduktiven Zeiten auf Durchsatz und Kosten aus.
    • Skalierbarkeit: Saisonale Nachfrageschwankungen oder ein rasantes E-Commerce-Wachstum können die Auftragsabwicklungsprozesse belasten. Unternehmen müssen in der Lage sein, ihre Betriebsabläufe nach oben oder unten zu skalieren, um den sich ändernden Anforderungen gerecht zu werden. Gerade während saisonaler Spitzen lassen sich zusätzliche Mitarbeitende oft nur schwer finden, einarbeiten und produktiv einsetzen.
    • Retourenmanagement: Retouren erhöhen die Komplexität zusätzlich. Artikel müssen geprüft, wieder eingelagert, bestandsseitig aktualisiert und möglichst schnell erneut verkaufsfähig gemacht werden. Je manueller dieser Prozess abläuft, desto größer ist das Risiko von Verzögerungen, Bestandsabweichungen und zusätzlichem Bearbeitungsaufwand 

 

Der Auftragsabwicklungsprozess im E-Commerce

Der Auftragsabwicklungsprozess, auch „Pick-and-Pack“ genannt, umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

    • Wareneingang und Lagerung: Die Waren werden von den Lieferanten entgegengenommen und in einem Lager oder einem Distributionszentrum gelagert.
    • Auftragsabwicklung: Kundenbestellungen gehen über E-Commerce-Plattformen ein und werden von Lagerverwaltungssystemen (WMS) verarbeitet.
    • Kommissionierung: Das Lagerpersonal entnimmt die bestellten Artikel anhand von Kommissionierlisten oder anderen Anweisungen des WMS aus den Lagerplätzen. Aufgrund der bei E-Commerce-Bestellungen üblichen geringen Anzahl an Bestellpositionen ist es üblich, die Artikel direkt in den Versandkarton zu kommissionieren, um die Effizienz zu steigern.
    • Verpackung: Die Artikel der Bestellung werden überprüft und entsprechende Dokumente (wie z. B. ein Lieferschein) der Bestellung beigefügt.
    • Versand: Die Pakete werden mit Versandinformationen etikettiert und über den ausgewählten Versanddienstleister an die Kunden ausgeliefert.

Optimierung der E-Commerce-Auftragsabwicklung mit Lagerautomatisierung

Wenn Bestellvolumen, Sortimentsbreite und Kundenerwartungen gleichzeitig steigen, stoßen manuelle Lagerprozesse schnell an ihre Grenzen. Lange Laufwege, Suchzeiten, begrenzte Lagerfläche und schwankende Auftragsspitzen erschweren es, Aufträge dauerhaft schnell, präzise und wirtschaftlich abzuwickeln. Genau hier setzen automatisierte Lager- und Kommissionierlösungen an: Sie bringen Artikel systemgeführt zum Mitarbeitenden, verbessern die Bestandskontrolle und schaffen die Grundlage für skalierbare E-Commerce-Prozesse.

Automatisierte Lager- und Entnahmesysteme (ASRS) können Unternehmen dabei helfen, ihre E-Commerce-Auftragsabwicklungsprozesse durch Automatisierung und moderne Technologie zu optimieren. Je nach Artikelstruktur, Durchsatz, Lagerfläche und Auftragsprofil kommen unterschiedliche automatisierte Lösungen infrage – von vertikalen Lagersystemen über Pufferlösungen bis hin zu softwaregestützten Kommissionierprozessen.

Automatisierte Lager- und Entnahmesysteme (ASRS) bieten mehrere Vorteile:

    • Verbesserte Effizienz: ASRS können den Zeitaufwand für die Kommissionierung und Verpackung von Artikeln erheblich reduzieren, da automatisierte Goods-to-Person-Lösungen Produkte automatisch entnehmen und bei Bedarf direkt an das Lagerpersonal bereitstellen. Dadurch entfallen viele Lauf- und Suchzeiten, die in manuellen Lagerprozessen typischerweise einen großen Teil der täglichen Arbeit ausmachen.
    • Erhöhte Genauigkeit: Moderne ASRS sind mit Pick-to-Light-Technologie ausgestattet, um die Kommissioniergenauigkeit auf bis zu 99,9 % zu steigern. Mithilfe einer Kombination aus LED-Anzeigen und Lichtzeigern werden Mitarbeitende zum genauen Lagerplatz des Artikels geführt. Die Pick-to-Light-Technologie zeigt den Mitarbeitenden zudem die Teilenummer und die Menge des zu kommissionierenden Artikels an, wodurch menschliche Fehler reduziert und die Auftragsgenauigkeit erhöht werden. Das reduziert Folgeaufwand durch Fehlgriffe, Nachversand, Retourenbearbeitung und Bestandskorrekturen.
    • Skalierbarkeit: Durch den Einsatz eines automatisierten Systems lässt sich der Personalaufwand je nach schwankendem Auftragsvolumen nach oben oder unten anpassen. Das mach es zu einer idealen Lösung für E-Commerce-Unternehmen macht, die auch bei saisonalen Nachfrage-Peaks flexibel bleiben wollen oder ein schnelles Wachstum bewältigen wollen. Automatisierung schafft damit die operative Grundlage für Wachstum, bei gleichzeitig effizient genutzter Lagerfläche und geringerer Personalabhängigkeit und Fehlerquote.
    • Raumnutzung: ASRS nutzen den vertikalen Raum deutlich besser aus. Durch die Nutzung der gesamten Höhe vom Boden bis zur Decke wird eine höhere Lagerdichte erreicht und es können bis zu 85 % der vorhandenen Lagerfläche zurückgewonnen werden. Das ist besonders relevant für E-Commerce-Unternehmen, die ihr Sortiment erweitern oder zusätzliche Auftragsvolumen abwickeln möchten, ohne ihre Lagerfläche sofort vergrößern zu müssen.
    • Integration mit WMS: ASRS lassen sich in eine Vielzahl von Lagerverwaltungssystemen integrieren und ermöglichen so eine verbesserte Bestandskontrolle sowie Bestandsdaten in Echtzeit für einen optimierten Lagerbetrieb. Entscheidend ist dabei nicht nur die physische Automatisierung, sondern auch die digitale Steuerung. Echtzeitdaten zu Beständen, Lagerplätzen und Aufträgen schaffen die Grundlage für schnelle Entscheidungen, präzise Prozesse und eine zuverlässige Warenverfügbarkeit im Onlineshop.

Allgemeine Optimierungsmaßnahmen im E-Commerce

Neben der Integration von ASRS sollten E-Commerce-Unternehmen auch andere Lösungen in Betracht ziehen, um ihre Auftragsabwicklungsprozesse zu optimieren. Bewährt haben sich zum Beispiel diese Maßnahmen:

    • Einführung einer E-Commerce-spezifischen Fulfillment-Strategie: Da im E-Commerce tendenziell mehr kleinere Bestellungen anfallen (höheres Bestellvolumen, weniger Artikel pro Bestellung), ist es sinnvoll, dass traditionelle Auftragsabwicklungsabläufe eine spezifische E-Commerce-Fulfillment-Strategie anwenden. „Pick and Pack“ ist die gängigste E-Commerce-Abwicklungsstrategie. Erfahren Sie mehr darüber in diesem Blogbeitrag: Optimierung des „Pick and Pack“-Abwicklungsprozesses
    • Einführung einer leistungsfähigen Lagerverwaltungssoftware: Ein Warenmanagementsystem (WMS) kann dabei helfen, den Lagerbestand zu verwalten, die Auftragsabwicklung zu optimieren und die Gesamteffizienz des Lagers zu steigern.
    • Auslagerung der Auftragsabwicklung: Die Zusammenarbeit mit einem externen Logistikdienstleister (3PL) kann ein effektiver Weg sein, um vorübergehend zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, saisonale Auftragsspitzen abzufedern oder neue Märkte ohne eigene Lagerinfrastruktur zu erschließen. Viele Unternehmen setzen dabei auf hybride Fulfillment-Modelle: Kritische Prozesse oder schnell drehende Artikel bleiben inhouse, während Aktionswaren, internationale Sendungen oder selten bestellte Artikel ausgelagert werden.
    • Kontinuierliche Prozessverbesserung: Die regelmäßige Überwachung und Analyse der Leistung bei der Auftragsabwicklung kann Unternehmen dabei helfen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und notwendige Anpassungen vorzunehmen, um eine maximale Effizienz aufrechtzuerhalten.

Resüme: Auftragsabwicklung im E-Commerce-Prozess 

Um langfristig in dem sich ständig weiterentwickelnden Onlinehandel erfolgreich zu bleiben, helfen Investitionen in fortschrittliche Technologien, die systematische Anwendung bewährter Verfahren sowie die kontinuierliche Überwachung und Verbesserung des Auftragsabwicklungsprozesses.

Die Auftragsabwicklung im E-Commerce spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Online-Unternehmen. Nur Unternehmen, die diesen Mehrwert erkennen, die Herausforderungen angehen und Lösungen wie automatisierte Lager- und Entnahmesysteme (ASRS) implementieren, können ihre Prozesse optimieren, die Kundenzufriedenheit verbessern und in der schnelllebigen Welt des E-Commerce wettbewerbsfähig bleiben.

 

[1] Eurostat, Februar 2026: E-commerce statistics for individuals https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/SEPDF/cache/46776.pdf